Ein muslimischer Kommunist, der für eine Softwarefirma arbeitet und sich zum hinduistischen "Fest der Farben" (Holi) mit buntem Puder bewerfen lässt. Gibt es das? Ja, das gibt es. Und zwar in
Kerala. Wenn Indien als Land der Einheit in der Vielfalt beschrieben wird, trifft dies auf den südindischen Bundesstaat Kerala noch viel mehr zu. Chinesische Gewürzhändler, arabische
Handelsflotten und die portugiesischen Seefahrer, sie alle kamen vor Jahrhunderten schon nach Kerala und bewunderten den Reichtum und die Toleranz der Menschen.
Kerala entstand 1956 durch dem Zusammenschluss der drei ehemaligen Fürstenstaaten Cochin, Malabar und Travancore. Der Name Kerala bedeutet wörtlich „Land der Kokospalmen“. Abgeleitet ist er von
den Malayalam-Wörtern kera für Kokospalme, die tatsächlich überall in der Region in großer Zahl zu finden sind, und alam für Land.
Kerala gilt als eine der attraktivsten Regionen Indiens, was besonders der landschaftlichen Schönheit geschuldet ist. Die herrlichen Tropenstrände, die Lagunen, Seen und Kanäle der Backwaters und
die geschützten Bergregionen in den Westghats machen die Vielfalt dieses Fleckchens Erde aus. Der offizielle Tourismus-Slogan Keralas lautet „God's Own Country“ (Gottes eigenes Land), nicht ohne
Stolz sprechen die Keraliten von ihrer Heimat als „Indien ohne seine Fehler“.
Dieser Slogan ist natürlich nicht ganz wörtlich zu verstehen, denn hinter der lanschaftlich schönen Fassade verbergen sich natürlich auch viele alltägliche Probleme, welche die Menschen zu
bewältigen haben. Doch wo Probleme sind, gibt es die Suche nach Lösungen. Die Keraliten sind sehr politisch interessiert und aktiv. In Kerala wurde 1956 die erste frei gewählte kommunistische
Regierung ins Amt gewählt. Von den Reformen dieser Regierung profitiert der Bundesstaat noch heute. Von allen Bundesstaaten Indiens weist Kerala mit 90,9 Prozent (Männer: 94,2 Prozent, Frauen:
87,7 Prozent; Stand: Volkszählung 2001) die höchste Alphabetisierungsrate auf. Generell herrscht in Kerala große religiöse Toleranz. Die verschiedenen Glaubensrichtungen existieren seit
Jahrhunderten friedlich nebeneinander. Keralas Pro-Kopf-Einkommen (2004/05: 27.048 Rupien) liegt zwar nur wenig über dem indischen Durchschnitt (2004/05: 23.241 Rupien), drastische Fälle von
Armut wie in anderen Teilen Indiens (Slums u.ä.) sind in Kerala jedoch kaum anzutreffen, da hier in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Agrarreform und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
durchgeführt worden sind. Auch das Bildungs- und das Gesundheitssystem sind im Vergleich zu anderen Bundesstaaten gut ausgebaut. Die Lebenserwartung liegt mit 73,5 Jahren (Männer: 70,6 Jahre,
Frauen: 76,1 Jahre) deutlich über dem indischen Durchschnitt von 61,7 Jahren (Männer: 60,8 Jahre, Frauen: 62,5 Jahre; Stand jeweils 1999).
Auf Grund der nur schwach ausgeprägten Industrie weist Kerala allerdings eine der höchsten Arbeitslosenraten Indiens auf, daher sind viele gut ausgebildete Keraliten, die in der Heimat vergeblich
nach Arbeit suchen, im Ausland angestellt, insbesondere in den Golfstaaten. Die Überweisungen der Auslandskeraliten an ihre Familien tragen nicht unerheblich zum relativ hohen Lebensstandard in
Kerala bei.
Die Stellung der Frau in der keralischen Gesellschaft ist für indische Verhältnisse relativ gut. Das demografische Verhältnis der Frauen beträgt 1058 auf 1000 Männer gegenüber 933 auf 1000 Männer
im gesamten Indien. Auch die Analphabetenrate unter Frauen ist mit 12,3 Prozent ungewöhnlich niedrig. Das gesellschaftliche Leben wird dennoch, wie im ganzen Land, fast ausschließlich von Männern
bestimmt. Der amerikanische Anthropologe Richard W. Franke spricht vom Kerala-Modell der Entwicklung.
Keralas reiches kulturelles Erbe unterscheidet sich deutlich von dem Nordindiens. Obwohl Kerala ethnisch einheitlicher ist als die Nachbarregionen, haben die starke Durchmischung der
Glaubensrichtungen und die durch den Seehandel teils seit Jahrtausenden bestehenden Beziehungen mit dem Nahen Osten, China und Europa ein große kulturelle Vielfalt sowie viele regionale
Eigenheiten hervorgebracht.
Das Klima in Kerala ist angenehm und verändert sich graduell von Jahreszeit zu Jahreszeit. Ob der Nähe zum Meer und der Gebirgszüge der Westghats im Osten empfängt Kerala in den Regenmonaten
reichlich Regen (Durchschnitt 3000 Millimeter). Die Temperaturen variieren normalerweise zwischen 27° und 32° C im Tiefland und 20° C auf den Ebenen des Hochlandes.
Für weitere Informationen zum Bundesstaat Kerala besuche die folgenden Seiten:
Einen Überblick bekommst Du bei Wikipedia
Auch zum Kerala Modell findest Du
weitere Informationen bei Wikipedia bei Chitram.org
Informationen zur kulturellen Vielfalt Keralas sind hier zu finden: www.keralaculture.org